
Joschi Ament zusammen mit Lore († April 2026) und Georg Richter
Ein Leben zwischen Heimatverlust und Versöhnung
Am 15. August 2026 vollendet Georg Richter aus Ulm sein 100. Lebensjahr. Sein Leben steht wie kaum ein anderes für das wechselvolle Schicksal der Ungarndeutschen im 20. Jahrhundert – und zugleich für die Kraft von Erinnerung, Versöhnung und Verständigung.
1926 in der ungarndeutschen Gemeinde Nadwar (Nemesnádudvar) geboren, musste Richter bereits als 18-Jähriger die Schrecken des Krieges erleben. 1945 geriet er in sowjetische Kriegsgefangenschaft und verbrachte dort rund sechs Jahre in zahlreichen Lagern. Doch die vermeintliche Heimkehr 1950 brachte nicht die Freiheit: In Ungarn wurde er erneut verhaftet und zunächst in Kazincbarcika, später im Zwangsarbeitslager Tiszalök interniert.
Dort musste er unter menschenunwürdigen Bedingungen beim Bau des Wasserkraftwerks arbeiten. Am 4. Oktober 1953 erlebte er den blutigen Protest der Gefangenen, bei dem fünf Menschen getötet und zahlreiche weitere verletzt wurden. Erst im Dezember 1953, nach insgesamt neun Jahren Krieg, Gefangenschaft und Internierung, konnte Richter nach Deutschland ausreisen.
Doch Georg Richter ließ sich von diesem Schicksal nicht brechen. Er studierte Jura, machte beruflich Karriere und setzte sich später mit großem Engagement für seine Heimat Nadwar, die ungarndeutsche Kultur und die deutsch-ungarische Verständigung ein. Als Heimatforscher dokumentierte er Familiengeschichten und die Geschichte seines Heimatortes. Für sein Wirken erhielt er unter anderem 1996 das Bundesverdienstkreuz.
Mit seinem Buch „Neun Jahre lebendig tot“ bewahrte er seine persönlichen Erinnerungen für kommende Generationen. Bis ins hohe Alter trat er als Zeitzeuge auf.
Zum 100. Geburtstag verneigt sich die Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn vor einem beeindruckenden Lebenswerk. Georg Richter ist nicht nur ein Spätheimkehrer von Tiszalök – er ist ein Brückenbauer zwischen Heimat, Erinnerung und Versöhnung.





















